Sleeve-Gastrektomie (Schlauchmagen)

Wie oben schon erwähnt, basiert auch die Sleeve-Gastrektomie auf dem restriktiven Prinzip, das heißt, es basiert auf der Verengung des oberen Teils des Verdauungstrakts, um die Nahrungsaufnahme zu verringern. Diese Methode ist relativ neu, sie ist jedoch sehr schnell populär geworden, da sie sehr effektiv zu einer Gewichtsreduktion führt. Der Name dieses Eingriffs (Schlauchmagen) spiegelt das Operationsprinzip wider, das darin besteht, dass aus dem Magen ein länglicher und enger Schlauch geformt wird, um den Durchgang fester Nahrung auf der Strecke von der Speiseröhre bis zum Antrum zu erschweren.

Was ist nun das wirklich Neue an dieser Operationsform? Hat man nach all den Jahren Bariatrischer Chirurgie keine neuen Ansätze und Operationsmethoden finden können?

Um diese Fragen zu beantworten, müssen wir uns die technischen Details einer Magenresektion und ihre Geschichte anschauen. Lange existierte die chirurgische Philosophie, dass bei Menschen mit extremem Übergewicht (180kg und mehr) die effektivste Operationsmethode angewandt werden sollte – ungeachtet möglicher oder wahrscheinlicher Stoffwechselstörungen. Bei der Durchführung eines Biliopankreatischen Bypasses bei solchen Patienten standen die Chirurgen vor 17 unüberwindbaren technischen Schwierigkeiten, da durch die Fettschicht der Eingeweide innere Organe (Gedärme und Omentum majus) häufig nicht bewegt werden konnten. Nachdem der erste Teil des Biliopankreatischen Bypasses durchgeführt wurde (die Entfernung eines Teils des Magens), wurde häufig die Operation beendet, um Komplikationen zu vermeiden, die mit einer zu langen Narkose einhergehen. Nachdem die Chirurgen verstanden hatten, welche Probleme bei Menschen mit extremem Übergewicht auftreten können, änderten einige Bariatrischen Chirurgen ihre Taktik und teilten diese Operationsmethode auf zwei separate Eingriffe auf. Der erste besteht aus der Magenresektion und der zweite aus dem Versetzen des Dünndarms, wobei der zweite Teil erst dann durchgeführt werden sollte, nachdem der Patient bereits Gewicht verloren hat. Für die besten Ergebnisse nach der ersten Teil-OP versuchten die Chirurgen, den Magen auf Minimalgröße zu resezieren, indem sie Korpus, Fundus und einen Teil des Antrums entfernten. Da der Effekt einer solchen Operation sollte ausschließlich durch das Erschweren des Nahrungsflusses durch den Magen entstehen sollte, strebten viele Chirurgen danach, aus dem verbliebenen Teil des Magens eine möglichst enge Röhre zu formen – somit entstand ein Schlauch – der Schlauchmagen. Eine sehr große Überraschung für die Chirurgen war die Tatsache, dass die Effektivität des lediglich ersten Teils eines solchen Eingriffes bereits ebenso hoch war, wie die konventioneller Bariatrischer Eingriffe, wie zum Beispiel des Magen-Bypasses.

Im Jahre 2006 fand in Berlin der zehnte internationale Kongresse der endoskopischen Chirurgie statt. Auf diesem Kongress wurden die Ergebnisse verschiedener Kliniken dargestellt, die besagten, dass der durchschnittliche Gewichtsverlust 80-90% des Übergewichtes darstellte. Hiermit hatte niemand gerechnet. Das heißt, dass der zweite Teil des Biliopankreatischen Bypasses nicht mehr nötig gewesen war. Die Gedärme des Patienten blieben unberührt und das Risiko des Auftretens von Mangelerscheinungen an Eiweiß, Calcium, Eisen, Vitaminen und anderen Mineralstoffen nicht mehr bestand.

Schauen wir uns nun an, welche Neuerungen in der Bariatrischen Chirurgie durch die Einführung der Schlauchmagen-Methode entwickelt wurden. Es lässt sich sagen, das nichts wirklich Neues entwickelt wurde: Die vertikale Auftrennung des Magens und die Formung eines Kleinmagens wurde schon früher in der vertikalen 18 Gastroplastik angewandt. Nur war der Kleinmagen früher wesentlich kürzer und breiter, was eine zusätzliche Einbringung eines nicht verstellbaren Rings am Übergang des Kleinmagens in den Großmagen erforderte. Auch die Entfernung eines Teils des Magens wurde auch früher beim Biliopankreatischen Bypass durchgeführt.

Somit war das prinzipiell Neue, dass aus dem Magen ein möglichst enger und langer Schlauch geformt wurde.

Abbildung 6: Schlauchmagen

Links: vor der Operation; rechts: nach der Operation

Wie wird nun die Nahrung auf Ihrem Weg aufgehalten, wenn es keine physikalische Verengung gibt? Wenn Sie sich ein bisschen an die Schulphysik erinnern, fällt es leicht, dieses Phänomen zu verstehen: Der Widerstand, dem die Flüssigkeit ausgesetzt ist, wenn sie durch die Röhre fließt, ist direkt proportional zur Länge der Röhre und umgekehrt proportional zu ihrem Durchmesser. Auch hier gilt das Pascalsche Gesetz, dass sich der Druck der Flüssigkeit gleichmäßig auf alle Wände des Gefäßes verteilt, in dem diese Flüssigkeit sich befindet. Also:

1. Der gleichmäßig verengte Magen wird gleichmäßigem Druck ausgesetzt und kann sich nicht nur an einer Stelle dehnen, wie das bei der vertikalen Gastroplastik der Fall ist. (veraltete Methode)

2. Die Nahrung, die einen sehr langen und engen Schlauch passiert, ist einem großen Widerstand ausgesetzt, sodass bei ihrer Stagnation ein stabiles Sättigungsgefühl auch bei sehr kleinen Portionen eintritt.

Der Stellenwert der Sleeve Gastrektomie in der modernen Adipositas- Chirurgie

Dass diese Operation sehr effektiv ist, heißt noch nicht, dass sie für alle Patienten gleichermaßen geeignet ist und alle bisherigen Erfahrungen der Bariatrischen Chirurgie keinen Wert mehr besitzen. Wie alle Operationen hat auch dieser Eingriff nicht nur unbestreitbare Vorteile, sondern natürlich auch Nachteile.

Nachteile von Schlauchmagen-Operationen

1. In Folge dessen, dass der Magen so eng wie möglich geformt wird, stockt die Nahrung in den ersten zwei bis drei Monaten, was ein starkes Unwohlsein hervorruft. Später erweitert sich der Schlauch ein wenig, sodass dieses Unwohlsein vergeht und nicht häufiger als nach einer Magenband-OP auftritt.

2. Im Unterschied zum Magenband, das auf dem gleichen Wirkungsprinzip basiert, ist die Schlauchmagen-OP mit einem höheren chirurgischen Risiko verbunden. Dieses Risiko entsteht durch die Notwendigkeit der Durchtrennung und Entfernung eines Teils des Magens. Um eventuelle Komplikationen im frühen Stadium zu vermeiden, verlängert sich der Klinikaufenthalt des Patienten auf bis zu vier Tage. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Aufenthalt nach einer Magenband-Operation beträgt nur einen Tag.

3. Bei vielen Patienten (ca. 30%), die eine solche Magenschlauch-Operation hinter sich haben, entwickelt sich Sodbrennen. Dies hängt mit der intraoperativen Veränderung der Verschlussklappe zwischen Speiseröhre und Magen zusammen und auch damit, dass der Teil des Magens (Antrum), in dem unter anderem Salzsäure produziert wird, erhalten bleibt. Bei Patienten, die einen erhöhten Säuregehalt des Magensaftes haben und bereits unter Sodbrennen leiden, ist eine solche Operation mit Vorsicht durchzuführen. Alle Patienten, bei denen die Schlauchmagen-Operation durchgeführt wird, erhalten ein Medikament zur Hemmung der Salzsäureproduktion im Magen. 20

4. Nach der Magenschlauch-Operation ist der postoperative Schmerz viel deutlicher ausgeprägt, als dies bei einer Magenband-Operation der Fall ist. Dies ist damit zu erklären, dass die Entfernung eines Teils des Magens ein invasiverer Eingriff ist.

5. Die klinischen Erfahrungen dieses Verfahrens sind weltweit relativ begrenzt, verglichen mit anderen, modernen Eingriffen. Es ist bekannt, dass die anfängliche Euphorie, die eine wissenschaftliche Entdeckung begleitet, immer zurückhaltender wird, egal, wie revolutionär diese Entdeckung am Anfang erscheint.

Vorteile

1. Wie wir schon erwähnt haben, ist die Effektivität der Magenschlauch- Operation größer als die der Magenband-Methode. Wahrscheinlich ist dies damit zu erklären, dass der Patient selbst einen nicht so starken Einfluss auf den Prozess der Gewichtsabnahme hat.

2. Es fehlt die Notwendigkeit postoperativer regulativer Eingriffe, bei diesem Aspekt ähnelt dieser Eingriff dem Magen-Bypass.

3. Es befindet sich kein Fremdkörper im Organismus

4. Es ist relativ einfach, eine Magenschlauch-Operation in einen Magen- Bypass oder Biliopankreatischen Bypass zu transformieren, falls die Notwendigkeit hierzu entsteht. Hierfür muss man lediglich die ‚Darm- Phase' des Eingriffs durchführen. Nach Magenband-Operationen ist wiederum ein Magen-Bypass viel schwieriger durchzuführen. Somit sehen wir den Platz der Magenschlauch-Operationen zwischen Magenband- und Magen-Bypass-Operationen. Allerdings sollte die Entscheidung für die Durchführung eines solchen Eingriffs nach intensiven Voruntersuchungen und unter Berücksichtigung der Patientenwünsche sehr bedacht getroffen werden.

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